Innopunkt 

Akteursvernetzungen prägen die Modellprojekte

Dr. Martina Brandt, Dr. Ulla Große, Technische Fachhochschule Wildau

Die sieben Modellprojekte der 18. INNOPUNKT-Kampage kooperieren mit sieben bis vierundzwanzig Akteuren so eng, dass die Modelldurchführung in der derzeitigen Form nach ihrer Einschätzung ohne diese Partner nicht möglich wäre. Sie organisieren diese Kooperationen in jeweils unterschiedlichen sektoralen und regionalen Konstellationen:

  • Die sektoralen Akteurskonstellationen umfassen Akteure aus Schule, Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und weiteren Bereichen. Eine Analyse ergab, dass zum einen nicht in jedem Projekt Vertreter aller o.g. Sektoren an der Durchführung beteiligt sind. Zum anderen ist aus den einzelnen Bereichen eine unterschiedliche Anzahl von Institutionen bzw. Akteuren mit verschiedenen Ressourcen vertreten. In einigen Fällen waren durch die Vorgaben der Agentur für Arbeit hinsichtlich der Ausreichung von Mitteln zur vertieften Berufsorientierung Kooperationen mehrerer Bildungsdienstleister erforderlich.
  • Die regionalen Akteurskonstellationen sind im Wesentlichen durch die unterschiedliche Institutionendichte im engeren Verflechtungsraum und äußeren Entwicklungsraum sowie durch die regionalen und überregionalen Vernetzungen der Projektträger selbst determiniert.

Eine Herausforderung für zeitlich befristete Modellprojekte der Berufsorientierung (BO) wie INNOPUNKT besteht immer auch darin, sich in bereits längerfristig oder dauerhaft in der Projektregion bestehende Arbeitsbeziehungen und Netzwerke einzugliedern und diese weiter zu stärken. So haben beispielsweise alle Projekte vertragliche oder informelle Kontakte zum Netzwerk Zukunft bzw. den Regionalen Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft ausgestaltet. Das Netzwerk Zukunft bringt sich als Erfahrungsträger des Landes Brandenburg insbesondere bei der Qualifizierung von LehrerInnen zum Praxislernen, zum Einsatz des Berufswahlpasses sowie bei der Beratung der Modellschulen zur Umsetzung des pädagogischen Konzepts „Praxislernen“ ein. Die Mitarbeit der INNOPUNKT 18-Projekte in den Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft dient der Abstimmung der Aktivitäten aller regionalen Projekte und Initiativen. Im Landkreis Teltow-Fläming wurde unter Federführung des INNOPUNKT-Trägers, des Netzwerks Zukunft und der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises ein entsprechender Arbeitskreis gegründet.

Zwischen Akteurskonstellationen und der Ausprägung der Beruforientierungs-Modelle besteht eine Wechselwirkung:

  1. Einerseits sind durch die INNOPUNKT-Träger entsprechend der Fokussierung ihrer Modellerprobung bereits im Projektkonzept der Kreis vertraglich zu bindender und anderweitig unmittelbar oder mittelbar zu beteiligender Akteure sowie deren angezielte Funktion im Projekt festgelegt.
  2. Andererseits prägen die sektoralen und regionalen Akteurskonstellationen die Modelldurchführung in vielfältiger Weise.

Diese Wechselwirkung soll an einigen ausgewählten Beispielen veranschaulicht werden:


Akteurskonstellationen und Zielstellungen

Ein Projekt hat sich das Ziel gestellt, vorhandene erfolgreiche Einzelmodelle der Arbeitswelt- und Berufsorientierung zu einem Gesamtmodell entsprechend dem jeweiligen Praxislern-Konzept der Modellschulen zu verzahnen und damit die Arbeit des Netzwerkes Zukunft im operativen Bereich zu unterstützen. Dementsprechend wurden Kooperationsverträge des Trägers mit Entwicklern bzw. Anbietern solcher BO-Instrumente sowie mit dem Netzwerk Zukunft geschlossen.

Ein anderes Projekt beabsichtigt, ein auf ein Branchenkompetenzfeld ausgerichtetes regionales und übertragbares Berufsorientierungskonzept zu entwickeln, die entsprechende regionale Steuerungsgruppe zu etablieren und ein tragfähiges Finanzierungsmodell zu erarbeiten. Es bündelt dementsprechend die Kompetenzen des führenden regionalen Metallbetrie-bes, des von ihm getragenen QualifizierungsCentrums, des überregionalen Unternehmensnetzwerks, von Sozialpartnern und einem Forschungsinstitut mit Bezug zur Metallbranche.

Dagegen zielt ein weiteres Projekt auf die Erarbeitung von 11 modularisierten Lernplänen zur Berufswahlorientierung in verschiedensten Berufsfeldern. Dementsprechend wurde ein "Bildungsverbund Berufswahl" aus fünf Bildungsträgern gegründet, um arbeitsteilig und in Zusammenarbeit mit Lehrkräften aus den Modellschulen die Bildungspläne zu erarbeiten und umzusetzen.

Ein weiteres Projekt wiederum, welches Schulen, LehrerInnen und SchülerInnen in den Landkreisen Havelland, Prignitz und Ostprignitz-Ruppin bei der frühzeitigen Berufsorientierung unterstützen will und daher stärker auch auf grüne Berufe orientiert ist, nutzt seine Kooperationsbeziehungen zu landwirtschaftlichen Firmen, die für entsprechende Berufsfelderkundungen und -erprobungen zur Verfügung stehen.

Akteurskonstellationen und Steuerungsmodelle

Die  Akteurskonstellationen und die vereinbarte Arbeitsteilung der Partner beeinflussen die Projektsteuerung. Einige Projekte arbeiten direkt mit den Modellschulen. Sie realisieren eigene Angebote zur Arbeitswelt- und Berufsorientierung mit den SchülerInnen bzw. unterstützen Schulen bei der Nutzung bestehender regionaler Angebote an außerschulischen Lernorten. Diejenigen Träger, die Kooperationsverträge mit Projektpartnern geschlossen haben, welche eigenverantwortlich gemeinsam mit den Schulen Angebote für SchülerInnen durchführen, setzen zweistufige Steuerungsmodelle um. Das heißt, dass sie die Projektkoordination für die Anbieter (Bildungsträger, Universität,…) durchführen, aber nach Abschluss der Kooperationsverträge mit den Schulen diese nur noch im Bedarfsfall direkt kontaktieren (z.B. für Controlling und Aktivierung zur Mitwirkung an Veranstaltungen für alle Modellschulen des Projekts).

Akteurskonstellationen und Berufsorientierungs-Angebote für SchülerInnen

Ein Ziel der Kampagne besteht darin, die Praxislernzeiten für SchülerInnen zu erweitern. Diejenigen Träger, die über eigene Werkstattkapazitäten verfügen, nutzen diese für die Berufsfelderkundung und Berufsfelderprobung. Um dabei den Jugendlichen eine breite Palette möglicher Berufsfelder anbieten zu können, wurden teilweise Kooperationen mit weiteren Bildungsträgern der Projektregion eingegangen. Andere Projektpartner wurden vertraglich gebunden bzw. zu einer Zusammenarbeit gewonnen, um in Brandenburg gezielt und entsprechend der jeweiligen Schulkonzepte bereits erfolgreich erprobte Instrumente der Berufsorientierung einzusetzen. Beispiele für solche durch Partner inner- bzw. außerschulisch realisierte BO-Angebote für ganze Klassen bzw. freiwillige TeilnehmerInnen sind:

  • Bewerbercheck (IHK)
  • Betriebserkundungen (regionale Unternehmen)
  • ABusiness- Existenzgründerseminare (Universität)
  • Future Camps (Stiftung)
  • Spiel das Leben! (Landesagentur in Kooperation mit Unternehmerverband)

Wird von den Projekten auch eine individuelle Beratung für SchülerInnen bzw. die Suche nach Ausbildungsplätzen unterstützt, so erfordert dies im Einzelfall auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Partnern wie Sozialamt, Jugendamt, AGRE/Optionskommune bzw. mit Kammern, regionalen Unternehmen oder deren Interessenverbänden.

Akteurskonstellationen und Nutzung zusätzlicher Ressourcen

Projekte, in denen starke Partner aktiv sind, können zusätzliche materielle bzw. immaterielle Ressourcen (Räume, know how, Netzwerkkontakte, …) in die Berufsorientierungs-Projekte einspeisen. So war es in einem Projekt möglich, durch die Einbeziehung der Genderbeauftragten des Trägers in der Projektdurchführung und der Produkterstellung sowie zur Qualifizierung der Beteiligten den Genderaspekt aktiv einzubringen (Einzelheiten s.u.). In einem anderen Projekt sind durch die aktive partnerschaftliche Mitwirkung von Geschäftsführung und Betriebsrat eines der größten Unternehmen der Metallbranche im Land Brandenburg (dem größten Stahlkonzern der Welt zugehörig und größter industrieller Entwicklungskern in Ostbrandenburg) sowie weiterer Akteure Ergebnisse einer großen Reichweite und Tiefe möglich: Nicht nur SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen werden informiert und in den Prozess der Berufsorientierung integriert, sondern auch Hochschulen und regionale Unternehmen. Gemeinsam mit einer Brandenburger Fachhochschule und einem weiteren Bildungsträger wurde darüber hinaus ein Dualer Studiengang „Bachelor of Engineering” der Fachrichtung Maschinenbau aufgelegt, der erstmalig im kommenden Wintersemester angeboten wird. Im Zuge von Unterrichtseinheiten zur Arbeitsweltorientierung werden in zwei Projekten auch Sozialpartner aktiv, mit dem Projekt kooperierende Betriebsräte entwickelten dafür ein Video über die Arbeitswelt in den Betrieben. Die Verknüpfung von Netzwerkaktivitäten eines anderen INNOPUNKT-Projektes mit dem Engagement einer Landtagsabgeordneten trägt maßgeblich zur Stärkung der Wirksamkeit des Regionalen Arbeitskreises Schule - Wirtschaft im entsprechenden Landkreis bei. Ein Projekt konnte mit dem regionalen Busunternehmen günstige Tarife für die Beförderung der SchülerInnen zu außerschulischen Lernorten der BO vereinbaren.

Akteurskonstellationen und Nutzung von überregionalem know how im Projekt

Einer der INNOPUNKT-Projektträger mit Hauptsitz in einem anderen Bundesland bringt know how insbesondere aus Berufsorientierungsaktivitäten in Sachsen-Anhalt in die Projektkonzipierung und -umsetzung ein, das sich beispielsweise auf die Systematisierung und Zertifizierung sowie auf genderspezifische Angebote der Berufsorientierung bezieht.

Die Stärkung des BO-Projektes im Branchenkompetenzfeld Metall durch die Partnerschaft mit überregional tätigen Unternehmen und Netzwerken wurde am Beispiel der Ressourcennutzung oben bereits beschrieben. Eine vertraglich vereinbarte Kooperation mit einem Berliner Institut ermöglicht einem anderen INNOPUNKT-Projekt die Nachnutzung von in Berlin bereits erfolgreich genutztem know how in Form einer berufsbegleitenden Weiterbildung von Lehrkräften, AusbilderInnen und SozialarbeiterInnen zu Regionalen Jugendcoachs. Die o.g. vertragliche Bindung von Anbietern bereits erprobter BO-Instrumente mit dem Ziel, sie in Brandenburg in eine breite Anwendung zu bringen, ist ein weiteres Beispiel für eine gezielte Nutzung von überregionalem know how.

Akteurskonstellationen und Nachhaltigkeit

Bedeutsam für die Nachhaltigkeit von BO-Projekten an Schulen sind neben der finanziellen Absicherung von Fahrkosten, Material- und Personalkosten Dritter insbesondere die Qualifizierung der Beteiligten, Projektdokumentationen zu Produkten und Verfahren der BO sowie Kapazitäten für die Abstimmung der Netzwerkarbeit aller relevanten regionalen Akteure. Projekte, die sich hier bereits in der Konzept- und Etablierungsphase auf starke und in Sachen BO engagierte sowie bereits vernetzte Regionalpartner stützen konnten, haben gute Nachhaltigkeitschancen. So steht das BO-Projekt im Branchenkompetenzfeld Metall in einer Reihe von seit Jahren betriebenen vielfältigen Initiativen zur Fachkräftesicherung, kann auf die regionalspezifischen Erfahrungen und gewachsene Arbeitskontakte zurück greifen und diese gleichzeitig zukunftsfähig weiter qualifizieren. Die durch das o.g. Unternehmen der Metallbranche für die Region im Jahr 2007 mit einem Stiftungskapital von 3,7 Mio. Euro gegründete "Bildungsstiftung Ostbrandenburg" widmet sich in der Projektregion vornehmlich der Förderung von Bildungsprojekten in Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Somit ermöglicht sie die Verknüpfung des im INNOPUNKT-Projekt vorrangig für die BO in der Sekundarstufe I entwickelten Aktivitäten mit solchen in den vor- und nachgelagerten Bildungsbereichen.

Zwei weitere Projekte arbeiteten eng mit der Fachkräfteinitiative der Kommune bzw. mit der kommunalen Arbeitsgruppe „Ausbildung Fachkräfte“ zusammen. Dies kann zwar die Weiterführung der während der Projektlaufzeit mit den Schulen erarbeiteten BO-Konzepte finanziell nicht sichern, ermöglicht aber die gemeinsame Akquise von neuen Projektmitteln für eine Berufsorientierung.

Alle Projekte haben sich Partner gesucht, um alle diejenigen für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit zu qualifizieren, die dauerhaft an der Berufsorientierung für SchülerInnen beteiligt sind (Lehrkräfte, AusbilderInnen, SozialarbeiterInnen,…). Durch eigenes know how des Trägers bzw. durch die Projektpartner Netzwerk Zukunft und ILeB werden Qualifizierungen zum Praxislernen bzw. zum Jugendcoach und Berufswegecoach bzw. hinsichtlich des Genderaspektes realisiert. Projektkooperationen wie die mit einer IHK Projektgesellschaft sichern außerdem die Erstellung nachnutzbarer Produkte (online-Werkzeugkasten, Ausbildungs- und Praktikumsatlas,…). Auch die oben beschriebene Ressourcenstärke sowie die Überregionalität von Trägern oder Kooperationspartnern beeinflussen die Nachhaltigkeitschancen und den überregionalen Transfer.positiv.

Akteurskonstellationen und Genderspezifik der BO

Durch die Einbeziehung der Genderbeauftragten einer Trägereinrichtung wurde der Genderaspekt entsprechend dem Projektkonzept offensiv und aktiv als Querschnittsthema berücksichtigt. Es wurden Genderworkshops für die am Projekt beteiligten LehrerInnen und AusbilderInnen organisiert.  Damit konnte zunehmend Wissen über dieses Querschnittsthema in die Berufsorientierungsangebote für SchülerInnen und die Erarbeitung von Lernplänen einfließen. Ein anderes Projekt kooperierte mit der Gleichstellungsbeauftragten der Kommune. Unter dem Dach der Lenkungsgruppe ist hier ein Frauenratschlag aktiv. Er begleitet das Projekt und gibt Hinweise zur genderspezifischen Ausrichtung der BO, im Projektverlauf konnte der Ratschlag zwei neue Mitglieder gewinnen (Kommune, Schule).

Fazit:

Auch die 18. INNOPUNKT-Kampagne  belegt erneut, dass eine abgestimmte Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter erforderlich ist, um SchülerInnen eine systematische und qualitativ hochwertige Berufsorientierung in der Region bieten zu können. Dies erfordert ein engagiertes Argumentieren und Werben der Projektträger, um ggf. Konkurrenzdenken auszuräumen und eine zweckmäßige Arbeitsteilung auszugestalten.

Kontakt: Technische Fachhochschule Wildau, Dr. Martina Brandt / Dr. Ulla Große, Tel.: 03375 - 508 512/513