Ergebnisse und Erfahrungen der Kampagne
Eröffnung der Abschlussveranstaltung der Kampagne
Michael Zaske, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen
Generell wird das Thema der Benachteiligtenausbildung vor allem vor dem Hintergrund der Altbewerberproblematik für Brandenburg auch in den nächsten Jahren wichtig sein. Die gerade abgeschlossene INNOPUNKT-Kampagne des MASGF „Neue Wege zur Ausbildung" für Jugendliche mit schlechten Startchancen hat mit sechs Projektträgern rund 500 benachteiligte Jugendliche vorrangig in betriebliche Ausbildung vermittelt. Wichtigster Erfolgsfaktor war der Aspekt der kontinuierlichen Begleitung bei Berufsorientierung, Ausbildungsvermittlung und Ausbildungsaufnahme durch individuelles Coaching aus einer Hand. Bei eingesetzten 2 Mio. € Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes entspricht dies 4.000 € Aufwand pro vermitteltem betrieblichem Ausbildungsplatz. Dies ist für die Aufnahme dieses Ansatzes im SGB II und III - Bereich bei ARGEn und optierenden Kommunen sowie Arbeitsagenturen - eine attraktive Alternative zu anderen Formen der außerbetrieblichen Benachteiligtenförderung. In Brandenburg sind bereits mehrere SGB II-Träger (an den Standorten der INNOPUNKT-Projekte) an der Übernahme des Ansatzes interessiert. Finanzielle Mittel für die Übernahme des erfolgreichen INNOPUNKT-Ansatzes für Jugendliche mit schlechten Startchancen sind gute Investitionen in die Zukunft der Region. mehr...
Die 2004 gestartete INNOPUNKT-Kampagne des MASGF erbrachte differenzierte Kenntnisse über den Beratungs- und Betreuungsbedarf der Zielgruppe „Benachteiligte Jugendliche“ an der ersten Schwelle.
Zielgruppen der Modellprojekte waren SchulabgängerInnen unterschiedlicher Schultypen, AltbewerberInnen, Junge Mütter ohne Berufsabschluss, MigrantInnen und Schulverweigerer. Die Modellprojekte belegen, dass durch eine qualifizierte Betreuung Jugendlichen mit schlechten Startchancen eine Teilhabe an betrieblicher Ausbildung ermöglicht werden kann. Die Befragungsergebnisse ausgewählter Unternehmen zeigen Unterstützungsbedarfe von Firmen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze und sind ein Plädoyer für die Weiterführung der in der INNOPUNKT-Kampagne angebotenen Leistungen aus Sicht der Wirtschaft. Eine arbeitsteilige Verstetigung der Leistungsangebote ist dringend erforderlich. Ausbildungslotsen für benachteiligte Jugendliche sind auch künftig unverzichtbar. Es geht dabei um individuelle, neutrale und unabhängige Betreuung (bis zum Case Management) für benachteiligte SchulabgängerInnen und AltbewerberInnen.
Das Wirkungsspektrum der Modellprojekte geht weit über die Vermittlung benachteiligter Jugendlicher hinaus. Weitere Hunderte SchülerInnen wurden darüber hinaus informiert und motiviert. Die Unterstützung von Schulen bei Einführung und Ausgestaltung des Praxislernens und die Sensibilisierung von LehrerInnen und Eltern für bessere Unterstützung der Berufsorientierung und Berufswahl war Gegenstand der Projekte. Es gab einen verbesserten Wissensstand über Potenziale und Unterstützungsbedarfe benachteiligter Jugendlicher bei regionalen Akteuren. Neue aussagekräftige Anlagen zum Berufswahlpass wurden erstellt. Verringerte Abbrecherquoten durch passgenaue Besetzung der Ausbildungsplätze und Möglichkeit der Nachbetreuung sind zu erwarten.
Viele Erfahrungen aus der Arbeit mit Benachteiligten für Berufsorientierung und erfolgreiches Matching beim Besetzen von Ausbildungsplätzen sind nun für alle SchülerInnen nutzbar. Dies hat auch besondere Bedeutung vor dem Hintergrund von demografischer und Fachkräfteentwicklung. In einzelnen Wirtschaftsbereichen wird trotz anhaltend hoher Arbeitslosigkeit bereits heute über fehlende Fachkräfte geklagt und auf einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften hingewiesen. Die Lage wird durch die Abwanderung qualifizierter (junger) Arbeitskräfte verschärft. Mittelfristig ist ab den Jahren 2008 und 2009 eine Nachwuchskräftelücke zu erwarten. Langfristig wird die demographische Entwicklung eine deutliche Verringerung des Angebots qualifizierter Arbeitskräfte zur Folge haben.
Das Land Brandenburg steht somit vor der Herausforderung, sämtliche Begabungsreserven zu erschließen. Derzeit scheitern etwa 14 % eines Jahrgangs am Übergang von der Schule zum Beruf. Ein Problem und ein Ansatz zum Handeln bestehen im weiteren Zuwachs von Altbewerber/innen unter den Bewerber/innen für Ausbildungsplätze.




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