Lernnetzwerk Uckermark
| umgesetzt durch: | ABW - Angermünder Bildungswerk zur Förderung des Handwerks und des Mittelstandes e.V. |
Ergebnisse des Projektes
Das Modellprojekt "Lernnetz Uckermark" verfolgte das Ziel, anhand der erkannten Bildungsbedarfe von KMU der Handwerks- und Dienstleistungsbranche neue Lehr- und Lernformen sowie entsprechende IT-gestützte Qualifizierungsmodule zu entwickeln und zu erproben. Ein Bildungscoach unterstützt die Sensibilisierung der Mitarbeiter der KMU für Lebenslanges Lernen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Weiterbildung sowie auf die besondere Situation der KMU in der Grenzregion gelegt.
Der Landkreis Uckermark ist der größte Flächenkreis Deutschlands mit einer sehr geringen Bevölkerungsdichte. Die Grenznähe zu Polen lässt einerseits eine prosperierende Wirtschaftsregion erwarten, andererseits bestehen aber auch Ängste auf beiden Seiten der Grenze vor möglichen Veränderungen im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt des Nachbarlandes.
Im Lernnetzwerk konnten 18 KMU der Region für eine intensive Zusammenarbeit gewonnen werden.
Im Rahmen der Bildungsbedarfsanalyse (Befragung, Interviews) zu Projektbeginn wurde Folgendes deutlich:
- Es gibt kaum Erfahrungen mit Internetbasiertem eLearning - sowohl bei den Nutzern als auch bei Bildungsanbietern.
- Die technischen Voraussetzungen für eLearning waren wie bereits im Projektantrag eingeschätzt sehr unterschiedlich (im Projektverlauf wurde für modellhafte Anwendungen deshalb bspw. für einen schnelleren Online-Zugang Notebooks incl. schnellen Modems zur Verfügung gestellt).
Um eine möglichst breite Akzeptanz zu erzielen wurden in individuellen Gesprächen Probleme der Unternehmen analysiert und die Scheu vor entsprechenden technischen Lösungen gemindert. Im Projektverlauf ging der Projektträger frühzeitig zu Blended-Learning über, Online- Phasen wurden mit Präsenzphasen kombiniert - sowohl auf der Grundlage der Forderungen der Teilnehmer als auch der Geschäftsführer. Ausschlaggebend war dabei vor allem der Wunsch nach sozialen Kontakten zu anderen Lernenden.
Ergebnisse der Teilnehmerbefragung zum gewünschten Phasenmix
Auf der Grundlage der im Vorfeld realisierten Bildungsbedarfsanalyse erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Eberswalde eine modulare Contententwicklung, die durch die Bildungscoaches unterstützt wurde. Passgenauigkeit wurde dabei nur durch die Erarbeitung eigener Module bzgl. einer unternehmensbezogenen individualisierten Bildung erreicht. Insbesondere wurde ein digitales Wörterbuch mit den Kombinationssprachen Englisch, Polnisch, Tschechisch und Deutsch weiterentwickelt, welches auch über den Projektzeitraum hinaus in verschiedenen Unternehmen flexibel eingesetzt werden kann.
Hinsichtlich Ergebnistransfer und Nachhaltigkeit ist Folgendes besonders hervorzuheben:
- Der Projektträger wird auch über den Projektzeitraum hinaus die bereits entwickelten Lernmodule in der Region anbieten, aufgrund der positiven Resonanz der teilnehmenden Mitarbeiter und der Unternehmen (Multiplikatoreneffekt) liegen bereits weitere Anfragen vor.
- Das Netzwerk wurde gefestigt und erweitert (Verstetigung der Mitarbeit bereits beteiligter Netzwerkpartner wie KMU, Bildungsträger, wissenschaftliche Einrichtungen, Arbeitsagentur, Sozialpartner und Wirtschaftsförderung).
- Passgenaue Qualifizierung von KMU ist auch über den Projektzeitraum hinaus gesichert. Insbesondere wurde projektträgerintern die Position des Bildungscoaches festgeschrieben - als Ansprechpartner für die Unternehmen zu allen unternehmensspezifischen Fragen der Weiterbildung. Der Projektträger ABW e. V. wird sich regional vom Bildungsanbieter zum Personalmanagementanbieter weiterentwickeln.
In einem ersten Fazit wird im Projektbegleitbericht [1] der Fachhochschule Eberswalde Folgendes herausgestellt:
- Um Führungskräfte von mittelständischen Unternehmen in ländlichen Regionen so weiterbilden zu können, dass diese regionalen Akteure ihrer verantwortungsvollen Rolle im Prozess aufholender Regionen gerecht werden können, bedarf es spezifischer Lehr- und Lernprogramme, geschickter Zeit- und Ortsplanung und deutlicherer Nutzensorientierung als bisher verfügbar.
- Die Weiterbildung von Führungskräften mittelständischer Unternehmen findet in der Region statt. Nicht einmal das nahe gelegene Zentrum (für die Uckermark wäre das Berlin) kann zeitlich, örtlich und kommunikativ das bieten, was eine gut arbeitende regionale Weiterbildungseinrichtung vor Ort kann. Regionale Akteure sollten sich des Prinzips "Region ist, wo man sich als Region versteht" bedienen und einfach handeln.
- Die anspruchsvollen und wahrscheinlich weiter steigenden Forderungen an moderne Weiterbildungseinrichtungen sind wahrscheinlich mit traditionellen Organisationsformen nicht zu erfüllen. Die im Verlaufe von Projekten erlernten Handlungsweisungen und bereits eingegangenen Kooperationen bieten günstige Voraussetzungen dafür, neue Lehr- und Lernformen mit gut trainierten Coaches und eingespielten Dozenten einzusetzen und mit vereinten technischen Potenzialen und Infrastrukturen quantitativ und qualitativ höhere Niveaus anzusteuern.
Ergebnisse aus Sicht der Unternehmen
An der Qualifizierung teilnehmende Unternehmen fragten auf Grund der positiven Resonanz der teilnehmenden Mitarbeiter an, inwieweit durch das Bildungsunternehmen ABW e. V. für weitere, vorher nicht mit einbezogene Mitarbeiter, erneut Bildungsmodule angeboten werden. Darüber hinaus entstand durch die positive Resonanz der Unternehmen gegenüber unbeteiligten anderen KMU ein Multiplikatoreneffekt, der eine Nachfrage gegenüber dem Bildungsdienstleister zur Folge hatte. Insbesondere personifiziert mit der Position des Bildungscoaches konnte das Angermünder Bildungswerk e. V. den Unternehmen der Region eine neue, bisher unbekannte Dienstleistung anbieten.
Das Angermünder Bildungswerk e. V. und das Lernnetzwerk Uckermark haben sich aus der Sicht der Unternehmen in der Region etabliert. In zahlreichen Netzwerktreffen sowie auch in persönlichen Gesprächen mit Unternehmensvertretern äußerten diese, dass dank der INNOPUNKT 4-projektbezogenen Bildung die Unternehmen in die Lage versetzt wurden, Bildung zu realisieren, die ansonsten nicht in Anspruch genommen worden wäre - so bspw. Herr Thomas Wagner, Geschäftsführer Syringa GmbH. Herr Schwenz, Geschäftsführer der GFM GmbH, fand die Seminare "unerwartet interessant". Frau Winkler, Niederlassungsleiterin der Firma advitax GmbH hob hervor, dass "die Bildung optimal auf das Unternehmen zugeschnitten war".
Ein Mitarbeiter eines Küchenstudios der Region äußerte sich wie folgt: "Ich bleibe dank dieser Qualifizierung im Berufsleben, aber auf einem anderen Arbeitsplatz, glücklicherweise im gleichen Unternehmen."
([1] Vgl. Prof. Dr. Michael Rösler, Fachhochschule Eberswalde, FB Wirtschaft: "Zentren und Netzwerke der Weiterbildung für Führungskräfte mittelständischer Unternehmen ländlicher Regionen - untersucht und dargestellt am Lernnetzwerk Uckermark", S. 17)




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