Das Herz der Produktionsschulen sind die Werkstattpädagogen
Qualifikation für einen nachhaltigen Berufseinstieg für benachteiligte Jugendliche
Fakt ist, dass sozial und individuell benachteiligte Jugendliche ihren Weg in Ausbildung und Beruf sicher und ohne Zeitverlust nur mit professioneller Unterstützung finden. Diese professionelle Hilfe soll nun um eine Facette bereichert werden. Es geht um arbeitsweltnahe pädagogische Konzepte, die von qualifizierten Fachkräften verwirklicht werden sollen. Dafür plant das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) mithilfe des ESF ein Fortbildungsprojekt, zu dem BRANDaktuell Eva-Maria Rhede aus dem Ministerium interviewte.
Sie planen ein Projekt, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe zu Produktionsschulpädagoginnen oder -pädagogen qualifiziert werden sollen. Welches Ziel soll damit verfolgt werden?
Die Ausgangslage ist die: In der Jugendberufshilfe besteht im Land Brandenburg ein nahezu gleichbleibender Bedarf an berufsorientierenden und berufsvorbereitenden Angeboten für sozial und/oder individuell benachteiligte Jugendliche. Doch die veränderten Arbeitsmarktbedingungen und der Fachkräftemangel erfordern neue, arbeitsweltnahe pädagogische Konzeptionen. Diesem Anspruch kommen Produktionsschulen und produktionsschulorientierte Jugendwerkstätten entgegen. Ihre Geschichte ist bereits in vielen europäischen Ländern wie Dänemark, Frankreich, Österreich und Finnland erfolgreich. Bei uns gibt es bereits Einrichtungen, die die Produktionsschulpädagogik nach dänischem Vorbild verfolgen. Das Netz soll weiter ausgebaut werden.
Nun geht es darum, die fachlichen und pädagogischen Kompetenzen des Personals zu erhöhen. Ein Modul der deshalb initiierten Fortbildungsreihe heißt z. B. ‚Das Herz der Produktionsschulen sind die Werkstattpädagogen‘. Das unterstreicht, dass die Kompetenzen der Pädagoginnen und Pädagogen auch mit hohem persönlichem Engagement verbunden sein müssen. Das ist entscheidend für die Qualität einer Produktionsschule und damit letztendlich auch für das Weiterkommen der jungen Menschen. Dafür sind entsprechende Qualifikationsmöglichkeiten für sozialpädagogische Fachkräfte ebenso wie für Werk- und Berufsschulpädagogen notwendig. Und der Fortbildungsbedarf wird bereits dringend signalisiert.
Gibt es bereits Vorbilder in anderen Bundesländern, an denen Sie sich orientieren?
Die vom Bundesverband Produktionsschulen und der Leibniz-Universität Hannover, speziell das Team um Prof. Dr. Arnulf Bojanowski, entwickelte Fortbildungsreihe ‚Fachkräfte in Produktionsschulen und produktionsschulorientierten Bildungseinrichtungen‘ wurde erstmalig in Hessen und Niedersachsen durchgeführt. Sie endete im Oktober 2011 erfolgreich mit 29 Absolventen aus dem Bundesgebiet. Seit 2007 läuft in Mecklenburg-Vorpommern ein Landesprogramm ‚Produktionsschulen‘, mit dem entsprechende Module erprobt werden.
Welche Inhalte sollen vermittelt werden und in welchen Projekten sollen die Produktionsschulpädagogen zum Einsatz kommen?
Es wird theoretisches Wissen zur Produktionsschulpädagogik und zur Organisation einer Produktionsschule vermittelt. Das beinhaltet Schwerpunkte wie Kompetenzfeststellung und individuelle Entwicklungsförderung in Verbindung mit dem Produktionsprozess sowie Didaktik und Methodik einer Produktionsschule. Dazu gehören auch betriebswirtschaftliche Grundlagen, Qualitätsentwicklung und -sicherung, die Übergangsgestaltung und Zertifizierung der Produktionsschülerinnen und -schüler, die Beschreibung der Rolle der Werkstattpädagogen, die Bedeutung kommunaler Kooperation u. v. m. Außerdem können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichzeitig das Erlernte in Bezug zu den Brandenburger Rahmenbedingungen setzen.
Die Produktionsschulpädagogen oder Werkstattpädagogen sollen in den vorhandenen wie auch in zukünftigen Produktionsschulen und Jugendwerkstätten im Land Brandenburg eingesetzt werden. Einsatzmöglichkeiten bieten sich in allen berufsvorbereitenden Maßnahmen mit produktions- oder dienstleistungsorientiertem Ansatz. Angeboten werden solche Maßnahmen bei freien Trägern der Jugendhilfe, die - je nach Zielgruppe - sowohl im Auftrag der öffentlichen Jugendhilfe als auch der Arbeitsagenturen oder der Grundsicherungsträger arbeiten.
Welche Förderung werden Sie nutzen?
Die Richtlinie des MBJS zur Förderung der Qualifizierung und Stärkung der beruflichen Bildung, der Kinder- und Jugendhilfe und der Weiterbildung von Erwachsenen vom 29. September 2007 bietet auch die Möglichkeit der Qualifizierung von Fachkräften im Arbeitsfeld der Jugendhilfe im Land Brandenburg. Die Mittel kommen aus dem Europäischen Sozialfonds.
Wie sieht die Zeitschiene aus?
Ende April, Anfang Mai 2012 soll der Förderantrag bei der LASA Brandenburg gestellt werden. Der Beginn der Fortbildungsreihe ist mit dem Modul I am 24. und 25. August 2012 im Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg vorgesehen und soll nach acht weiteren jeweils zweitägigen Veranstaltungen am 30. November 2013 mit dem Zertifikat ‚Produktionsschulpädagogin‘ bzw. ‚Produktionsschulpädagoge‘ enden. (kr)
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