Akzente - Zehn Jahre Lotsendienste - Nr. 6/2011

Der Lotsendienst

Für Migranten

Auf Russisch, Polnisch und Vietnamesisch informiert der Lotsendienst für Migrantinnen und Migranten auf seinen Internetseiten. „Wir sprechen damit die drei größten Zuwanderergruppen in Brandenburg an“, sagt Lotsin Julia Lexow-Kapp.

Ohne Kenntnisse der deutschen Sprache können Gründungsinteressierte den Lotsendienst allerdings nicht in Anspruch nehmen. Das Erstgespräch wird ebenso wie das Assessment-Center auf Deutsch abgehalten. „Wir haben aber für die qualifizierende Beratung Coaches, die beispielsweise Vietnamesisch oder Polnisch sprechen“, sagt Julia Lexow-Kapp.

Seit März 2004 gibt es den Lotsendienst für Migranten. Julia Lexow-Kapp war von Anfang an dabei. Rund 250 Existenzgründungen hat sie bis Ende 2010 begleitet und weitaus mehr Interessierte beraten.

Der Lotsendienst für Migranten arbeitet landesweit. Und er liegt im Trend. Während im Jahr 2005 noch 4 Prozent aller Existenzgründungen in Brandenburg auf ausländische Staatsangehörige fielen, waren es im Jahr 2010 fast 11 Prozent. „In einzelnen Kreisen und Städten liegt die Quote deutlich höher“, sagt Julia Lexow-Kapp.  (jac)

Infos
Der Lotsendienst für Migranten im Internet:
www.lotsendienst-migranten.de

ESF-Logo Land BrandenburgDer Lotsendienst für Migranten wird aus Mitteln des ESF und des Landes gefördert.

Die Zahlen

Von März 2004 bis Ende 2010 haben beim Lotsendienst für Migranten

  • 1.000 Gründungsinteressierte ein Erstgespräch geführt,
  • 400 an einem Assessment-Center teilgenommen,
  • 380 Gründungsinteressierte wurden in die Einzelfallbetreuung aufgenommen,
  • 250 haben sich mithilfe des Lotsendienstes selbstständig gemacht.

Tastenspiel

Gründerin Elvira Savranski

In ihrer alten Heimat, in Moldawien, hatte Elvira Savranski eine Privatschule eröffnet. In Potsdam erst ein Modeatelier, dann eine Musikschule.

An der Wand hinter einem schwarzen Flügel hängt das Foto einer Frau auf einer Modenschau. Ihr Kleid ist mit Federn geschmückt, hunderte blaue und grüne Pailletten bilden Pfauenaugen. „Meine Tochter hat das Pfauenkleid entworfen, ich habe beim Nähen geholfen“, sagt Elvira Savranski. Früher, in Moldawien, hat sie Modedesign studiert, heute studiert ihre Tochter das Fach in Potsdam.

Design und Tanz

Ohne den langen Rock auf dem Foto ist das Pfauenkleid für lateinamerikanische Tänze gedacht. Tanzkleider waren auch Elvira Savranskis erste Geschäftsidee in Potsdam. 2006 ist sie zum Lotsendienst für Migranten gegangen. Dort hat man ihr geholfen, ihr Modeatelier zu eröffnen. „Das Atelier lief gut, solange meine Tochter tanzte und die Kleider zeigte“, erzählt sie. Danach lief das Geschäft schleppender.

Schicksal

Zwischenzeitlich hatte ihr Mann ein Klaviergeschäft in Potsdam übernommen, ebenfalls mithilfe des Lotsendienstes. Elvira Savranski übernahm Buchhaltung und Verkauf, ihr Mann repariert und stimmt Klaviere. „Im Laden merkte ich, dass es Bedarf an Musikunterricht gibt“, sagt sie. So kam sie zu ihrer zweiten Geschäftsidee, „Schicksal“, nennt sie es. Gründungswissen hatte sie aus ihrer Zeit beim Lotsendienst. „Bei einigen Fragen hat mir Julia Lexow-Kapp vom Lotsendienst geholfen.“

Seit August 2010 gibt es die Musikschule. Elvira Savranski hat alle Lehrer in einem Katalog aufgenommen, für Klavier, Geige und andere Instrumente. Schüler können wählen zwischen Jazz, Klassik und anderen Richtungen. Klavierschüler lernen am schwarzen Flügel. „Das ist etwas besonderes, nicht jeder hat die Möglichkeit, an einem Flügel zu lernen“, sagt Elvira Savranski.  (jac)

Infos
Das ‚Brandenburgische Klavierhaus‘ im Internet:
www.klaviere-in-potsdam.de


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Gründerin Elvira Savranski