Akzente - Ältere und Beruf - Nr. 1/2012

Erfahrung traf (auf) Herausforderung

Eine INNOPUNKT-Initiative zeigte Potenziale von Älteren

Ältere wollen und können in der Arbeitswelt bestehen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bringen sie sich mit all ihren Erfahrungen in den Betrieben ein und nehmen neue Herausforderungen an. Das machten die Modellprojekte der INNOPUNKT-Initiative ‚Ältere - Erfahrung trifft Herausforderung‘ deutlich. Gefördert wurde die Initiative aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Landesmitteln. Vergangenen Novembers endete die dreijährige Projektzeit. Jörg Jurkeit vom Brandenburger Arbeitsministerium fasst die Erfahrungen zusammen.

Der Brandenburger Arbeitsmarkt entwickelt sich gut. Die Beschäftigung nimmt zu, die Arbeitslosigkeit nimmt ab. Auch ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren von der Erholung auf dem Arbeitsmarkt, jedoch schwächer als die Jüngeren. Das liegt auch daran, dass viele Unternehmen leider immer noch denken, Ältere seien weniger leistungsfähig.

Personalverantwortliche wählen noch immer meist Jüngere

Auch wenn zahlreiche Studien das negative Altersbild widerlegen, Personalverantwortliche entscheiden sich bei der Neubesetzung von Stellen meistens für Jüngere. Deshalb bleibt die Situation für ältere Arbeitslose weiterhin sehr schwierig, auch wenn sie über gute Ausgangsqualifikationen verfügen.

Wir stecken jedoch bereits mitten im Wandel der Arbeitswelt, in der zunehmend die Fähigkeiten und Erfahrungen der Älteren gebraucht werden. Das zeigt u. a. die Beschäftigungsentwicklung der Älteren. Waren im Jahr 2005 nur knapp 39 Prozent (194.350) der über 50-Jährigen in Brandenburg sozialversichert beschäftigt, so arbeiteten 2010 schon knapp 48 Prozent (266.744) der Menschen über 50 Jahre in einem sozialversicherungspflichtigen Job. Parallel dazu sank die Zahl der älteren Arbeitslosen von durchschnittlich 65.088 in 2005 auf 50.183 Personen im Jahr 2010. Trotz der Erfolge, das Risiko, aus der Arbeitslosigkeit keine neue Anstellung zu finden, steigt mit zunehmendem Alter. Auch eine formal gute Qualifikation ist kein Garant für eine neue Arbeitsstelle. Unter den arbeitslosen Älteren sind sogar rund 4.000 Akademikerinnen und Akademiker.

Jörg Jurkeit
Jörg Jurkeit, MASF: „Das Fachkräftepotenzial liegt vor der Tür, aber Unternehmen müssen die Arbeitskraft der Älteren besser nutzen. Das gilt bei Personalauswahl und -entwicklung. Die ‚Kreative Projektarbeit‘ hat gezeigt, wie viel Elan und Fachverstand ältere arbeitslose Akademiker haben. Faszinierend war auch der Einsatz der betrieblichen Demografielotsen, die darum gerungen haben, altersgerechte Arbeitsarrangements zu schaffen.“

Beschäftigungschancen der Älteren verbessern

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, innovative Lösungen zu finden, die die Beschäftigungschancen älterer Menschen verbessern. Diesem Ziel hatte sich die Ende 2008 ins Leben gerufene INNOPUNKT-Initiative ‚Ältere - Erfahrung trifft Herausforderung‘ auf die Fahne geschrieben. Die Initiative hatte zwei Teilziele: ‚Kreative Projektarbeit‘ und ‚Individuelle Berufswegeplanung‘.

Drei Modellprojekte arbeiteten im Rahmen des Teilziels 1 ‚Kreative Projetarbeit‘. Sie boten neue praxisbezogene Lernarrangements für ältere arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker sowie Fachkräfte an. Dabei kooperierten sie mit Hochschulen und Unternehmen. Zielgruppe der beiden Projekte zum zweiten Teilziel waren ältere Beschäftigte. Sie testeten Methoden zur individuellen Berufswegegestaltung und zeigten neue Entwicklungsmöglichkeiten für ältere Beschäftigte auf.

Ältere Arbeitslose werden als Fachkräfte gebraucht

Ein besonderes Merkmal der ‚Kreativen Projektarbeit‘ war die Kooperation von Betrieben, Hochschulen und Weiterbildungsträgern. Sie stellten aus älteren, erwerbslosen Fachkräften Teams zusammen. Diese bearbeiteten konkrete betriebliche Aufgaben. Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter begleiteten die Teams methodisch und fachlich. Im Ergebnis der Projektarbeit sollte ein Produkt entstehen, beispielsweise ein Konzept oder eine Analyse. Aufgabe der Weiterbildungsträger war es, die Lernprozesse zu organisieren.

Situation der Teilnehmer entscheidend verbessert

Die ‚Kreative Projektarbeit‘ hat die Situation der Teilnehmenden entscheidend verbessert. Zu diesem Schluss kommt der Evaluator der Initiative. Er hatte die Initiative von Anfang an begleitet und untermauert in seinem Abschlussbericht diese Aussage insbesondere anhand der Vermittlungszahlen (siehe Kasten, die Red.). Darüber hinaus hat die Initiative gezeigt, dass ältere arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker sowie ältere Fachkräfte eine wichtige Gruppe sind, um zukünftig den Fachkräftebedarf im Land Brandenburg zu sichern.

Die Initiative in Zahlen

Teilziel 1 - Kreative Projektarbeit

  • 207 Arbeitslose im Alter von über 50 Jahren nutzten die Angebote der ‚Kreativen Projektarbeit‘.
  • Die Teams erstellten 53 Projektarbeiten für 50 Betriebe.
  • Eine Integration in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gelang in 65 Fällen. Weitere 22 Personen kamen in Mini-Jobs unter oder machten sich selbstständig. Dies ist eine eindrucksvolle Integrationsquote von 42 Prozent.
  • 92,1 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten ihre Teilnahme als persönliche Bereicherung, über 80 Prozent würden sofort noch einmal mitmachen und gut die Hälfte der Nichtvermittelten blickt optimistischer in die berufliche Zukunft als vorher. Ein deutliches Zeichen für die hohe Akzeptanz der ‚Kreativen Projektarbeit‘.

Teilziel 2 - Individuelle Berufswegeplanung

  • In 33 Betrieben haben die Projekte geholfen, Arbeitsplätze und Einsatzfelder an die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Möglichkeiten der Betriebe anzupassen.
  • Es entstanden 197 Berufswegepläne.
  • 17 Demografielotsen wurden qualifiziert und eingesetzt.

Die INNOPUNKT-Initiative lief von Dezember 2008 bis Dezember 2011.

Infos
Die INNOPUNKT-Initiative finden Sie auf den Internetseiten der LASA Brandenburg GmbH.

Ältere in Beschäftigung halten

Mit Blick auf die schlechteren Einstellungschancen aus der Arbeitslosigkeit müssen alle Wege genutzt werden, um Ältere in Beschäftigung zu halten. Im zweiten Teilziel der Initiative befassten sich zwei Projekte mit der Berufswegegestaltung. Sie haben in Betrieben die Kompetenzen und Leistungsvoraussetzungen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit den Möglichkeiten der Arbeitgeber zusammengebracht und Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder so gestaltet, dass es beiden Seiten gerecht wurde.

Entstanden sind 197 Berufswegepläne. Diese zeigen Gestaltungsmöglichkeiten, um älteren Beschäftigten ein längeres Arbeiten im Betrieb zu ermöglichen. Als erfolgreich hat es sich erwiesen, Demografielotsen in den Betrieben einzuführen. Die Lotsen befassen sich mit Fragen der demografiefesten Personalentwicklung und kümmern sich um eine altersgerechte Arbeitsgestaltung. Insgesamt konnten 17 Demografielotsen zunächst qualifiziert und dann eingesetzt werden.

Das MASF wird die Projekterfahrungen in zukünftige Förderprogramme mit einfließen lassen. 

Jörg Jurkeit,
Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASF)

Beim INNOPUNKT-Projekt ‚Campus der Generationen‘ haben ältere erwerbslose Akademikerinnen und Akademiker in Projektteams mit Studierenden der Universität Potsdam zusammengearbeitet
Beim INNOPUNKT-Projekt ‚Campus der Generationen‘ haben ältere erwerbslose Akademikerinnen und Akademiker in Projektteams mit Studierenden der Universität Potsdam zusammengearbeitet

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Akzente - Ältere und Beruf

Jüngste Umfragen zeigen: Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen bundesweit gehört das Thema ‚Beschäftigung älterer Arbeitnehmer‘ zu ihrer Personalpolitik. Aber es sind vor allem die umsatzstarken Unternehmen, die sich des Themas annehmen. Brandenburgs Wirtschaft wird jedoch von kleinen und mittleren Unternehmen getragen, und viele von ihnen beschäftigen sich noch nicht mit den Folgen des demografischen Wandels. Dabei werden sie ihren Fachkräftebedarf zukünftig über einen Arbeitsmarkt decken, in dem es viele Ältere gibt. Es wird somit immer wichtiger, dass auch kleinere Betriebe sich auf älter werdende Belegschaften einstellen und ältere Arbeitslose als zukünftige Fachkräfte erkennen. Die INNOPUNKT-Initiative ‚Ältere - Erfahrung trifft Herausforderung‘ hat Lösungsansätze gefunden.

Infos

Auf den Internetseiten der
LASA Brandenburg GmbH finden Sie als PDF-Dateien folgende Publikationen zur Initiative:

  • Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg hat die Broschüre ‚Kreative Projektarbeit‘ (Teilziel 1) herausgegeben.
  • Die WEQUA GmbH hat den Leitfaden ‚Zukunft braucht Erfahrung‘ zum Teilziel 2 herausgegeben.
  • Die KOWA hat ein Faltblatt ‚Kreative Projektarbeit im Betrieb‘ herausgegeben.

Die Dokumentation der Fachtagung ‚Alternsgerechte Arbeitswelt‘ vom 31. März 2011 finden Sie als PDF-Datei auf den Internetseiten des MASF.

ESF-Logo Land BrandenburgDie Projekte der INNOPUNKT-Initiative wurden aus Mitteln des ESF und des Landes gefördert.