Prisma - Nr. 1/2012

„Frauen gehen zu wenige Risiken ein“

Dieter Bogai, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Dr. Dieter Bogai
Dr. Dieter Bogai

Dr. Dieter Bogai hat in zwei Studien untersucht, wie sich Frauen und Männer auf verschiedene Berufsfelder verteilen. Dass es so ist, ist nichts Neues. Der Vergleich zwischen Ost und West hat dem Wissenschaftler aber unerwartete Ergebnisse gezeigt.

Herr Bogai, welches ist für Sie die interessanteste Erkenntnis, die Sie aus der Studie gewonnen haben?

Ich war erstaunt, dass sich gerade in den neuen Bundesländern so wenig an der beruflichen Ungleichverteilung zwischen Männern und Frauen geändert hat. In den neuen Ländern ist die ungleiche Verteilung auf die Berufsfelder sogar noch etwas stärker ausgeprägt als in den alten Bundesländern. Brandenburg liegt dabei zwischen den neuen und den alten Bundesländern.

Warum hätten Sie für die neuen Bundesländer ein anderes Ergebnis erwartet?

Weil wir normalerweise davon ausgehen, dass hier die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt weiter fortgeschritten ist als im alten Bundesgebiet. Wenn ich mir jetzt aber anschaue, in welchen Berufen die meisten Frauen arbeiten, kann man das anzweifeln. Auch Frauen aus den neuen Bundesländern wählen noch immer schlecht bezahlte Dienstleistungsberufe, die meistens wenige Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Dazu gehören beispielsweise Fachangestellte in Arztpraxen, also Sprechstundenhilfen, Bürohilfskräfte und Mitarbeiterinnen im Einzelhandel.

Wie kommt es Ihrer Meinung nach dazu, dass Frauen und Männer immer noch so unterschiedliche Berufe wählen?

Frauen gehen zu wenige Risiken ein. Das heißt, die meisten schlagen bei der Berufswahl keine für Frauen ungewöhnlichen Wege ein. 60 Prozent der weiblichen Auszubildenden konzentrieren sich auf zehn Berufe. Die männlichen Auszubildenden konzentrieren sich nur etwa zu 40 Prozent auf zehn Berufe.

Frauen sollten andere Berufe wählen.

Ja. Oder aber in den klassischen Berufen höhere Positionen einnehmen. Etwa in Pflegeberufen ins Management aufsteigen.

Wie wird die Entwicklung Ihrer Meinung nach weitergehen?

Es wird sich so schnell nichts ändern, trotz vieler Initiativen. Es gibt aber auch ermunternde Entwicklungen. Es erwerben mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss. Aber nach wie vor kommt der Karriereknick mit der Familienphase.  (jac)

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Infos

Dieter Bogai hat in zwei Regionalstudien die Segregation der Berufsfelder sowie berufliche Perspektiven von Frauen und Männern untersucht.
Siehe auch hier in dieser BRANDaktuell-Ausgabe.

Studie: Berufliche Perspektiven von Frauen und Männern

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat eine zweite Regionalstudie zu beruflichen Perspektiven von Frauen und Männern in Berlin und Brandenburg herausgebracht. Die Autoren gehen auch darauf ein, wie eine verringerte Segregation helfen könnte, den Fachkräftebedarf zu decken.

Infos
Wiethölter, Doris/Bogai, Dieter/Schönwetter, Stephanie/Luipold, Christiane (2011): Berufliche Perspektiven von Frauen und Männern vor dem Hintergrund beruflicher Segregation.
Die Studie finden Sie auf den Internetseiten des IAB.