Akzente - Zehn Jahre Lotsendienste - Nr. 6/2011

Gründungszuschuss

Bund will Milliarden sparen

Ab Januar 2012 erhalten arbeitslose Gründer voraussichtlich erheblich weniger Geld von den Arbeitsagenturen. Die Bundesregierung will den Gründungszuschuss reduzieren.

Die geplanten Änderungen führen laut Bundesarbeitsministerium zu Minderausgaben von 1,03 Milliarden Euro 2012 und 1,33 Milliarden Euro in den Folgejahren. Die Ausgaben 2010 lagen bei 1,869 Mrd. Euro. Aus der Pflichtleistung soll eine Kann-Leistung werden, statt neun Monate soll er nur noch sechs Monate gezahlt werden. Und statt einem Anspruch auf 90 Tage benötigen Gründer einen Anspruch auf 150 Tage Arbeitslosengeld I (siehe Interview mit Sabine Hübner, MASF, Seite 17).

Der Bundesrat hatte das Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente im Oktober in den Vermittlungsausschuss verwiesen, die Kürzungen beim Gründungsausschuss bleiben jedoch. Das Gesetz ist nicht zustimmungspflichtig.

Für Gründer aus der Arbeitslosigkeit verschlechtern sich die Bedingungen, ist sich Monika Kretschmer vom Lotsendienst in Brandenburg sicher. „Mit dem Zuschuss können die Gründer in Ruhe ihr Unternehmen aufbauen“, sagt Kretschmer. Nach ihren Erfahrungen haben Arbeitslose keine Rücklagen, um die Aufbauzeit zu finanzieren. (jac)

Mit Zuschuss gründen

In der Förderzeit von März 2010 bis Mitte Oktober 2011 betreute Monika Kretschmer 111 Menschen, die sich selbstständig machen möchten. Davon erhalten

  • 54 Arbeitslosengeld I,
  • 35 Arbeitslosengeld II.

Von den anderen Teilnehmern

  • sind zwei arbeitslos, beziehen aber keine Leistungen,
  • die anderen waren zzt. der Aufnahme von Arbeitslosigkeit bedroht.

Bisher haben 72 Teilnehmer gegründet,

  • davon 52 mit Gründungszuschuss und
  • 19 mit dem Einstiegsgeld.

Den Gründungszuschuss erhalten Arbeitslosengeld-I-Empfänger, Einstiegsgeld erhalten Arbeitslosengeld-II-Empfänger.

Urgestein

Lotsin Monika Kretschmer

Monika Kretschmer war von Anfang an dabei. Schon beim Vorläufermodell, den regionalen Gründungsoffensiven, hat sie in Brandenburg an der Havel Arbeitslose unterstützt, sich selbstständig zu machen.

An eine Frau erinnert sie sich besonders: Inga Lehr-Ivanov hat eine Ballett-Company gegründet. „Sie hat ihren Beruf gelebt, sie war beeindruckend“, sagt Monika Kretschmer. Das war im Jahr 2000, noch zu Zeiten der regionalen Gründungsoffensiven. Viele Gründerinnen und Gründer sind gefolgt. Im Büro von Monika Kretschmer hängen Fotografien von Gründerinnen, die es mit ihrer Hilfe geschafft haben, dabei ist auch ein Bild von Inga Lehr-Ivanov (siehe Foto rechts).

Um Anerkennung gekämpft

Leicht seien die ersten Jahre für Monika Kretschmer nicht gewesen. Die Arbeitsämter hätten anfangs Selbstständigkeit nicht als Option für Arbeitslose gesehen. „Wir haben darum gekämpft, anerkannt zu werden und darum, dass die Arbeitsämter ihre Kunden an uns verweisen“, erzählt Monika Kretschmer. Seit vielen Jahren ist die Zusammenarbeit jedoch sehr gut. „Die Arbeitsagenturen schätzen, was wir machen.“

Früher kamen Ingenieure - heute Hausmeister

Die Zeiten ändern sich aber weiterhin. „Heute müssen wir wieder mehr Aufwand betreiben, um Teilnehmer zu akquirieren“, erzählt Monika Kretschmer. Anders als früher bekämen gut qualifizierte Leute heute Arbeit. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Qualifikationen wider. Früher habe sie auch Dozenten, Ingenieure und Physiotherapeuten begleitet. „Beim letzten Assessment-Center wollten fast alle Männer sich mit Hausmeisterdiensten selbstständig machen, die beiden Frauen mit Putzdiensten.“ Aber auch das sind Perspektiven. „Es gibt viel Arbeit in diesen Bereichen, ob sich jemand durchsetzt, hängt von der Persönlichkeit und den Kontakten ab.“  (jac)

Infos
Interneteiten des Lotsendienstes Brandenburg an der Havel


Ihre Meinung zu unseren Beiträgen in BRANDaktuell interessiert uns. Deshalb würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns kommunizieren!
Unsere E-Mail-Adresse: brandaktuell(at)lasa-brandenburg.de

Lotsin Monika Kretschmer