Akzente - Zehn Jahre Lotsendienste - Nr. 6/2011

"Kreativgründungen brauchen eine spezielle Beratung"

Interview mit Rosemarie Döhle, MASF, über Existenzgründungen aus der Kulturwirtschaft

Film, Musik, Medien oder Design - die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine vielfältige Branche. So vielfältig wie die Branche sind auch die Existenzgründungen. Welche besondere Unterstützung Gründerinnen und Gründer aus der Branche benötigen und welche Förderung es in Brandenburg für sie gibt, darüber sprach BRANDaktuell mit Rosemarie Döhle, Referentin im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie.

Flaschen von Z & Z Bottle-Creations
Die Flaschen sind ein Produkt von Z & Z Bottle-Creations. Die Firma, die über die Existenzgründungsrichtlinie gefördert wurde, stellt Getränkeflaschen und -becher mit individuellem Design her. Für ihre Produkte sind die beiden Firmengründer, Jens Zabel und Jörn Zimne, mit dem Innovationspreis 2010 ausgezeichnet worden

Was ist das Besondere an Existenzgründungen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Die Kreativwirtschaft ist seit Jahren ein Wachstumsmarkt und schafft ständig neue Beschäftigung. Es ist ein Mix aus insgesamt elf innovativen Teilbranchen. Die Branche ist geprägt von Freiberuflern sowie von Klein- und Kleinstbetrieben. In diesem Feld bewegen sich auch die meisten Gründungen. Für die neuen Unternehmen ist es wichtig, dass sie in Netzwerken vereint sind, um eine Lobby und vor allem Zugriff auf Förderinstrumente zu haben. Eine andere Besonderheit der Gründungsberatung ist, dass die Gründer in der Regel an den erwerbswirtschaftlichen Aspekt eines Unternehmens herangeführt werden müssen - nur kreativ und innovativ ist nicht genug.

Welche Gründungen gibt es überwiegend?

Grundsätzlich ist anzumerken, dass es sich bei den Gründungen vorwiegend um Soloselbstständige und Freiberufler handelt mit einem hohen Frauenanteil. In Brandenburg finden die Gründungen vor allem in den Teilbranchen  Medien, Design und Werbung statt. Nicht wenige Existenzgründer versuchen sich aber auch in dem Bereich Kultur- und Tourismuswirtschaft. Selbst während der Wirtschaftskrise ist die Zahl der Konkurse in Brandenburg kaum gestiegen.

Wie unterstützt das Land Brandenburg die Existenzgründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Das Land ist insofern gut aufgestellt, indem diese Gründungen mit drei Programmen unterstützt werden (siehe Infokasten/Anm. der Red.). Wir haben in diesen Programmen entweder eine spezielle Beratung für die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgenommen oder wir haben die Programme so gestaltet, dass die Begriffe wie ‚technologieorientiert‘ oder ‚wissensbasiert‘ durch den Innovationsbegriff ersetzt worden sind. Dabei ist Innovation so definiert, dass die Branche mit hineinpasst. Außerdem haben wir ausdrücklich Freiberufler mit als Zielgruppe aufgenommen, damit sich auch diese Gründerinnen und Gründer angesprochen fühlen. Das hat dazu geführt, dass mittlerweile etwa 20 bis 30 Prozent der Antragsteller aus dem Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft kommen. Soweit ich weiß, sind wir das einzige Bundesland, welches seine Existenzgründungsprogramme so geöffnet und definiert hat, um Kreativgründungen zu unterstützen.

Sind noch weitere Unterstützungen vorgesehen?

Ja. Im Rahmen der Existenzgründungsrichtlinie wird es zwei experimentelle Maßnahmen geben, die sich speziell an diese Zielgruppe wenden. Beide Maßnahmen haben zum Ziel, die innovativen Potenziale, die sich aus den Gründungen ergeben, mit den vorhandenen regionalen Wirtschaftsstrukturen zu vernetzen. Damit wollen wir erreichen, dass neue kreative Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden können. Ich denke, davon würden nicht nur die Betriebe selbst profitieren, sondern auch die Region mit ihrem Umfeld. Außerdem wollen wir damit erreichen, dass die sogenannten 'jungen Kreativen' auch in Brandenburg bleiben.  (em)

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Kultur- und Kreativwirtschaft in Brandenburg

Im Land Brandenburg können Gründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft über folgende Programme gefördert werden:

  • Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie zur Förderung von Qualifizierungs- und Coachingmaßnahmen bei Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen im Land Brandenburg: Im Rahmen dieser Richtlinie sind vor allem die Förderbereiche ‚Beratungsangebot für innovative Gründungen‘, ‚Innovationen brauchen Mut‘ und ‚Gründungsservice an den Hochschulen‘ relevant
    (s. a. S. 6, d. Red.).
    (Infos auf den Internetseiten der LASA Brandenburg GmbH)
  • Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie zur Förderung der Kompetenzentwicklung durch Qualifizierung in kleinen und mittleren Unternehmen im Land Brandenburg: Bei dieser Richtlinie ist der Förderbereich ‚Steigerung der Innovationsfähigkeit durch Wissens-transfer‘ relevant.
    (Infos auf den Internetseiten der LASA Brandenburg GmbH)
  • Förderung von Existenzgründungen und Übernahmen von innovativ ausgerichteten Unternehmen (Gründung innovativ) des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie: Diese Richtlinie ist auf die finanzielle Stärkung von Gründern mit innovativen Unternehmensideen ausgerichtet.
    (Infos auf den Internetseiten der Investitionsbank des Landes Brandenburg)

ESF-Logo Land BrandenburgDie beiden ersten Förderprogramme werden aus Mitteln des ESF (das dritte über EFRE) und des Landes gefördert.