Prisma - Nr. 1/2012

'Mea sententia' - Meiner Meinung nach ...

Standpunkte zur öffentlich geförderten Beschäftigung

„Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.“ Diesem Motto des Autobauers Henry Ford folgend, veröffentlichen wir diesmal die Standpunkte zur öffentlich geförderten Beschäftigung von Elona Müller-Preinesberger, Beigeordnete der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Potsdam, Geschäftsbereich 3 - Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz, sowie Dr. Manfred Thuns vom Caritasverband für das Erzbistum Berlin e. V. und Vorsitzender der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Brandenburg.

Elona Müller-Preinesberger

 

Elona Müller-Preinesberger,
Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Potsdam

Die öffentlich geförderte Beschäftigung ist für die Integration von erwerbsfähigen Hilfeempfängern in den allgemeinen Arbeitsmarkt ein wesentliches und unverzichtbares Instrument aktiver Arbeitsmarktpolitik. Gerade die Langzeitarbeitslosen mit ihren multiplen Unterstützungsbedarfen profitieren nicht im gewünschten Maß vom wirtschaftlichen Aufschwung. Diese Entwicklung wird noch verstärkt durch die Kürzung des Integrationsbudgets. Allein in der Landeshauptstadt Potsdam wurde das Integrationsbudget für die Jahre 2010 bis 2012 um 40 Prozent gekürzt.

Die Heranführung an den ersten Arbeitsmarkt im Rahmen zusätzlicher Tätigkeiten zum gesellschaftlichen Gemeinwohl ist unmittelbar mit erwerbsbezogener Qualifizierung und sozialer Integration der Zielgruppe verbunden. Die positiven Ergebnisse der Landeshauptstadt Potsdam auf dem Gebiet zeigen, dass hilfebedürftige Potsdamerinnen und Potsdamer durch die Integration in öffentlich geförderte Beschäftigung organisierte Tagesstrukturen entwickeln, wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen können und ihr Selbstwertgefühl maßgeblich steigt.

Gerade vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen mit dem Instrument und dem somit auch für die Kommune vorhandenen ideellen Mehrwert begrüßen und nutzen wir die zusätzlichen Möglichkeiten des Europäischen Sozialfonds, des Bundes und des Landes Brandenburg gezielt.

Dr. Manfred Thuns

 

Dr. Manfred Thuns,
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e. V.

Der Integration arbeitsloser Menschen in den Arbeitsmarkt kommt ein hoher Stellenwert zu, denn die Erwerbstätigkeit ist ein wesentliches Kriterium gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Teilhabe. Besonders langzeitarbeitslose Menschen erleben den Verlust dieser gesellschaftlichen Anerkennung in dramatischer Weise. Für diese Menschen bedarf es langfristiger und individueller Integrationsleistungen, die durch qualifizierende und sozialpädagogische Maßnahmen unterstützt werden.

Doch nun ist das Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und damit ist amtlich, dass es im SGB III keine öffentlich geförderte Beschäftigung mehr gibt und im SGB  II die Förderung auf 20 Prozent der Eingliederungstitel der Jobcenter gekürzt wird.

Das bedeutet das Ende zielorientierter Konzepte zur Qualifizierung und Betreuung. Die Beschäftigungsfähigkeit wird abnehmen und die Langzeitarbeitslosigkeit ansteigen. Sinnvolle, zusätzliche Dienstleistungen, für die ein gesellschaftlicher Bedarf besteht, werden wegfallen. Die Auswirkungen werden sich nicht nur in den strukturschwachen Regionen Brandenburgs zeigen. Öffentlich geförderte Beschäftigung hat auch eine Brückenfunktion, denn sie sichert berufliche Perspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe. Die LIGA fordert schon seit Jahren eine langfristige Finanzierung öffentlicher Beschäftigungsmaßnahmen, unabhängig von Eingliederungstiteln.

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