Selbstständig statt arbeitslos
10 Jahre Lotsendienste für arbeitslose Gründerinnen und Gründer

- Dr. Barbara Winde
Die Zeiten haben sich geändert, die regionalen Lotsendienste sind geblieben. Sie helfen, aus arbeitslosen Brandenburgerinnen und Brandenburgern erfolgreiche Selbstständige und Unternehmer zu machen. Dafür stellen die Lotsen Gründerinnen und Gründern erfahrene Experten zur Seite. Dr. Barbara Winde ist im Brandenburger Arbeitsministerium für die Lotsendienste zuständig. In ihrem Artikel zeigt sie die Etappen in der Geschichte der Lotsendienste, deren Kern sich nicht wesentlich geändert hat.
Seit zehn Jahren gibt es in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt einen regionalen Lotsendienst. Details wurden neu justiert, im Grundsatz sind die Aufgaben heute aber die gleichen wie zehn Jahre zuvor. Die Lotsendienste sind erfolgreich: Von 2001 bis 2009 hatten sie eine Gründungsquote von 74 Prozent. Das heißt, drei Viertel ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich mit ihrer Hilfe selbstständig gemacht.
Wie alles begann
Entstanden sind die Lotsendienste, als das damalige Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen (MASGF) seine Existenzgründungsförderung umstellte. In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts förderte das MASGF neben der Beratung und Qualifizierung auch Zuschüsse zu Investitionen. Ende der 90er-Jahre wurden die Aufgaben innerhalb der Landesregierung neu verteilt: Die Finanzierungsbausteine für Investitionen und Betriebsmittel sollten zukünftig vom Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg angeboten werden. Beim MASGF verblieb die unternehmerische Qualifizierung von arbeitslosen Frauen und Männern, die sich selbstständig machen wollten.
Regionale Gründungsoffensiven
Ziel war es, Gründerinnen und Gründer in die Lage zu versetzen, eine tragfähige Geschäftsidee und einen soliden und überzeugenden Businessplan zu entwickeln. Um dieses Angebot flächendeckend in ganz Brandenburg zur Verfügung zu stellen, wurden regionale Akteure einbezogen. Dazu gehörten insbesondere die Kammern, die kommunalen Wirtschaftsfördergesellschaften, Bildungsträger und die Technologie- und Gründerzentren.
Diese Idee entwickelte das MASGF zusammen mit der Landesagentur für Struktur und Arbeit (LASA) und der BBJ Servis gGmbH weiter. Ergebnis war das Modellprojekt ‚Regionale Gründungsoffensiven‘. Das Ministerium testete die Gründungsoffensiven in den Jahren 1998 bis 2000 in fünf Kreisen und zwei kreisfreien Städten. Gefördert wurden die Gründungsoffensiven aus Mitteln des MASGF und des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Das Modellprojekt sollte zeigen, auf welche Weise regionale Akteure ein zielgruppengerechtes Coaching-, Beratungs- und Qualifizierungsangebot für Gründer aus der Erwerbslosigkeit installieren können. Und es sollte zeigen, welche Möglichkeiten bestehen, um regionale Akteure, wie beispielsweise Kreditinstitute, die Agenturen für Arbeit und die Hochschulen, einzubinden.
Die ersten Lotsendienste
Basierend auf den Erfahrungen legten das MASGF und das Brandenburger Wirtschaftsministerium in den Jahren 2001 und 2004 eine gemeinsame Existenzgründungsrichtlinie auf. Während das MASGF die Qualifizierung der Gründungswilligen vor der Gründung förderte, förderte das Wirtschaftsministerium Coaching im Anschluss an die Gründung. Als Träger der regionalen Lotsendienste konnten sich z. B. Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Technologie- und Gründerzentren und Wirtschaftsförderungen bewerben.
Das Land stellte die Förderung des Coachings in der Nachgründungsphase ein, als der Bund das ‚Gründercoaching Deutschland‘ auflegte, um eine Doppelförderung zu vermeiden. Mit dem Programm ‚Gründercoaching Deutschland‘ fördert der Bund Coaching in der Nachgründungsphase.
Studenten, Migranten, junge Leute
Das MASGF hat das Förderprogramm zielgruppenspezifisch in den Jahren 2003, 2004 und 2006 erweitert. Hinzu kamen der landesweit agierende Lotsendienst für Migrantinnen und Migranten, die Lotsendienste an den Hochschulen, die heutigen Gründungsservices, die Gründungswerkstätten für junge Leute bis 27 Jahre, das Projekt ‚Innovationen brauchen Mut‘, das innovative Gründungen unterstützt, sowie die Beratungsstellen für die Unternehmensnachfolge.
Dr. Barbara Winde,
Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie
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