Teilqualifikationen für gering qualifizierte Arbeitslose
Bundeseinheitliche Zertifikate sollen den Einstieg in Arbeit erleichtern
Seit November 2008 entwickelt das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) berufliche Teilqualifikationen. Mit deren Hilfe sollen gering qualifizierte Erwachsene breit verwertbare berufliche Kompetenzen erwerben, die ihnen zu einer möglichst dauerhaften und fachlich anspruchsvolleren Beschäftigung verhelfen. Initiiert wurde das Projekt ‚Optimierung der Qualifizierungsangebote für gering qualifizierte Arbeitslose‘ durch die Bundesagentur für Arbeit.
Die Teilqualifikationen werden unter der Prämisse entwickelt, dass jedes Modul für sich genommen berufliche Handlungsfähigkeit in einem berufstypischen Tätigkeitsfeld gewährleistet und für den praktischen Einsatz im Betrieb qualifiziert. Damit soll sichergestellt werden, dass auch nach Abschluss nur eines Moduls eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt möglich ist. Durch die Akkumulation mehrerer Module können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine umfassende berufliche Handlungsfähigkeit bis hin zu einem Berufsabschluss erwerben. Das f-bb hat Teilqualifikationen in fünf Berufen und einem nicht beruflich geordneten Tätigkeitsfeld (TF) entwickelt. Außerdem hat das Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St. Gallen einen Vorschlag für ein Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren erarbeitet, mit dessen Hilfe die in den Teilqualifikationen erworbenen Kompetenzen individuell festgestellt und ausgewiesen werden können.
Damit die Qualifikationen den Bedarf in den Unternehmen treffen, wurden in allen Berufen sowie dem Tätigkeitsfeld betriebliche Fallstudien durchgeführt. Darauf aufbauend entwickelte das f-bb die Module gemeinsam mit Fach- und Branchenexperten. Dazu gehörten Betriebspraktikerinnen und -praktiker ebenso wie Vertreterinnen und Vertreter von bundesweit agierenden Verbänden und branchenspezifischen Bildungsdienstleistern. So wurde erreicht, dass sich die Inhalte der Qualifizierungsmodule an spezifischen betrieblichen Einsatzfeldern orientieren. Mittlerweile befinden sich alle Qualifikationskonzepte in der Endabstimmung. Pro Beruf bzw. Tätigkeitsfeld sind vier bis sechs Module mit einer Dauer zwischen zwei und sechs Monaten vorgesehen.
Wichtig ist, dass die individuell erworbenen Kompetenzen nach bundeseinheitlichen Standards zertifiziert werden. Dies fördert die Bekanntheit und signalisiert Arbeitgebern eine verlässliche Qualität. Den vormals Geringqualifizierten ermöglicht das einheitliche Zertifikat einen Einstieg in fachliche Tätigkeit. Im Jahr 2010 werden die entwickelten Teilqualifikationen und das Zertifizierungsverfahren bundesweit in zehn Arbeitsagenturbezirken erprobt. Derzeit bereitet das f-bb Handlungshilfen zur Umsetzung der Teilqualifikationen vor, die sich an Mitarbeiter der Agentur für Arbeit sowie Vertreter von Unternehmen und Bildungseinrichtungen richten.
Matthias Kohl,
Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)
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